Wie Sie ihre soziale Gesundheit verbessern: "Disconnecten"

Vielen scheint es unmöglich, ihr Smartphone mal für einen Tag abzuschalten. Ist das gesund? Ich meine, gesund für unsere sozialen Kontakte?

Julia Hobsbawm, Autorin des Buches "Fully Connected: Surviving & Thriving in an Age of Overload", weist auf einen sehr wichtigen Punkt hin: Wir sollten die Waage finden zwischen dem was wir wissen, wen wir kennen und wieviel Zeit wir "disconnected" sind.

Im Zeitalter des digitalen Verbundenseins sollte die Definition von Gesundheit neu definiert werden: soziale Gesundheit ist mindestens so wichtig wie Fitness und eine ausgewogene Ernährung.

Hobsbawm nennt dazu drei ganz wesentliche Bereiche in unserem "digitalen Leben", auf die wir achten sollten:

  • Unser Wissensfluss hinsichtlich Informations-Konsums und der Wunsch Informationen mit anderen zu teilen,
  • unsere Netzwerke und Beziehungen und
  • die Lebenszeit, die uns (noch) zur Verfügung steht.

Hierzu hat Hobsbawm ein System entwickelt, das sie das "Bescheidenheits-Hexagon" nennt. Sie verweist damit auf die sechseckige Form, die uns überall in der Natur begegnet: z. B. im Bienenstock, als Schneeflocke. Die Zahl Sechs bedeutet eine kognitive Grenze für die Anzahl von Informationen, die wir tatsächlich erinnern können. Bezogen auf unsere soziale Gesundheit nennt Hobsbawn darum die praktische Anwendung von Vorstellungen, sowie unsere Verhaltensweisen "Hexagonales Denken" und unterteilt sie in sechs Stufen:

1. Posteingang - Postausgang

Ein ständig "überflutender Posteingang" von Email-Postfach, mobilen Kurznachrichten, WhatsApp oder Facebook (usw. usw.) kann echt erdrücken. Ständig auf dem Laufenden zu bleiben ist kontraproduktiv und Feind klaren Denkens. Es ist darum sehr wichtig, mindestens einmal die Woche ihre Posteingänge anzuschauen oder als "gelesen" zu markieren. Tun Sie es jetzt! und suchen Sie sich dann einen Tag, mit dem Sie das zur Gewohnheit werden lassen. Nicht alles lässt sich sofort erledigen, doch man kann sich aneignen zu lernen, was am wichtigsten ist und was getan werden muss.

Lernen Sie:

Zum Beispiel ließen sich Aufgaben in verschiedenen gefilterten Ordnern organisieren (Filter lassen sich in allen Email-Programmen einstellen) für:

  • Sofort lesen
  • Sofort beantworten

Testen Sie das, und sie werden feststellen: ich habe mehr Ruhe.

2. Abschalten

Abschalten heißt "Nein" oder "Nicht hetzt". Wir müssen einfach nicht immer online, nicht immer erreichbar sein. Das lässt sich regeln: Email-Autoresponder an einem Tag in der Woche hilft.
Es ist vollkommen ausreichend, sich einen Tag Zeit zu lassen, bis man antwortet. Wie auch immer Sie das handhaben: Finden Sie einen Tag in der Woche, an dem Sie komplett "disconnected" sind. Zwar mag das manchen unmöglich erscheinen, doch ich denke es ist eine Frage der Routine: Sie können es sich zur Gewohnheit werden lassen. Und das ist so wichtig: es gibt eben noch eine "nicht-virtuelle" Umwelt. Darin leben Sie!

3. Level der Kommunikation

1,8 Milliarden Menschen nutzen ein Facebook-Konto - 1 Millarde WhatsApp. Alle scheinen ununterbrochen zu kommunizieren. Julia Hobsbawm sieht darin jedoch die minderwertigste Form der Kommunikation. Auch mir erscheinen solche Kurznachrichten echt ziemlich abgestumpft: keine Anrede, keine ganzen Sätze, Kürzel und kein Gruß am Schluss. Jahrelang habe ich Computer programmiert und die "Anweisungen" bestanden aus ebenso kryptischen Sätzen.

Diese recht neue Form der Kommunikation schadet unserer sozialen Gesundheit. Wir sollten uns darum sorgen. Seit Jahrtausenden pflegen Menschen besondere Umgangsformen, die im "Facebook-Zeitalter" wegzufallen scheinen. Doch eben genau diese Umgangsformen sind die Grundlage um Vertrauen zu schaffen. Es ist ganz unbedeutend ob wir 5000 Freunde auf Facebook haben. Die ganzen Nullen können wir uns sparen. Viel wichtiger ist es die Beziehung zu einer Hand voll guter Freunde aufrecht zu erhalten.

Die Größe unseres Gehirns ist außerdem begrenzt und wir können sowieso nur zu maximal 150 Menschen eine soziale Beziehung aufbauen. Alles jenseits dessen ist zu kompliziert und sogar ungesund.

4. Überblick über Ihr Wissen

Wie ausgeglichen ist das Spektrum Ihrer Informationsaufnahme? Erstrebenswert ist die richtige Mischung an gehaltvollen Informationen. Jedoch nicht allein was sie in Erfahrung bringen, oder welche Art Informationen sie konsumieren ist wichtig. Format und Quelle der Informationen sind bei weitem wichtiger. Woher beziehen Sie Ihre Meinungen und Ansichten?

5. Unbekümmert statt immer gewahr

Was tun Sie, wenn Sie die Alltagshektik verlässt? Es ist so wichtig, sich Auszeiten zu gönnen und nicht immer sich all der vielen digitalen Nachrichten gewahr zu sein. Der Tag hat 1440 Minuten, ca. 480 Minuten davon schlafen wir, 100 Minuten verbringen wir mit Essen, vielleicht weitere 45 Minuten mit Körperpflege und diesem und jenem was nochmal ca. 60 Minuten in Anspruch nimmt: bleiben täglich also ca. 755 Minuten. Sollten wir einen 9-5-Job haben, ziehen wir davon nochmal 480 Minuten ab und die Differenz beträgt 275 Minuten. Was machen wir mit dieser Zeit? Meinen Sie nicht auch, dass es bereits einen Unterschied in unserem Wohlbefinden machen würde, wir würden nur 5 Minuten davon uns in Unbekümmertheit üben? Sich einfach mal fühlen wie man sich eben fühlt, angenehm oder unangenehm - egal. All die digitalen Aufmerksamkeitsmagneten ausblenden und nur 5 Minuten mal gut sein lassen: 5 Minuten sind weniger als 0,35% Ihres Tages! Nehmen Sie sich diese Zeit in der sie ganz unbekümmert einfach garnichts machen.

6. Hobsbawms hexagonales Denken

Für Hobsbawm ist das Hexagon zum Lebensstil geworden. Und das System ist anpassungsfähig. Finden Sie ihre eigene Sechs. Wichtig ist, dass Sie bestimmte Muster erzeugen, an die Sie sich halten können. Sie müssen versuchen sich dem überladenden Druck zu entziehen, den all die vielen Informationen in Ihnen aufkommen lassen.

Arbeiten Sie an sechs Tagen und nehmen Sie sich einen Tag Auszeit - zumindest von einem der Informationskanäle. Planen sie dann ihre kommenden sechs Tage - erschaffen Sie sich ihre Welt in sechs Tagen pro Woche!

 

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