Die Uhr tickt. Kommt bald das Ende des Bargelds?

Mit ihrem Smartphone und der Google-Pay-App können Sie nun kontaktlos an der Kasse bezahlen.

Doch ob das in Deutschland tatsächlich das Ende des Bargelds bedeutet, wage ich zu bezweifeln. Trotz das wir in der größten Volkswirtschaft Europas leben, bezahlen die Deutschen am liebsten mit Bargeld.

In China dagegen bezahlen die Meisten bereits mobil. Dafür sorgen die Unternehmen Alipay und WeChat. Beide chinesische Marktführer haben bereits mehrere Hundert Millionen Kunden.

Auch in Afrika ist es üblich, selbst ohne eigenes Bankkonto bargeldlos zu bezahlen: der Geldtransferdienst M-Pesa macht's möglich.

Selbst wenn Deutschland als Erste-Welt-Land da wohl etwas anders tickt, gliche es einer Illusion zu glauben, dass das Bargeld noch lange das wichtigste Bezahlmittel beim Einkauf im Warenhaus oder Supermarkt bleibt. Gut möglich, dass bereits in den nächsten 10 Jahren nirgendwo mehr mit Bargeld bezahlt wird - und in sehr vielen Fällen wahrscheinlich auch nicht mehr damit bezahlt werden kann.

Der Umschwung ist in Deutschland bereits deutlich sichtbar. Laut Bundesbank wurden 2017 nur noch ca. drei Viertel aller Bezahlungen in bar ausgeführt. Das ist zwar immer noch gigantisch im Vergleich zu Ländern wie Großbritannien (2016: mehr als 50% bezahlen bargeldlos), doch bereits 5% mehr als noch in 2014.

Das selbst Kleinstbeträge per Karte bezahlt werden können, setzt sich die Technologie langsam auch hierzulande durch. Und dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren beschleunigen.

Ist Bargeld überhaupt noch zeitgemäß?

Natürlich liegt auch in der Antwort dieser Frage, dass Bargeld einfach teuer ist. Und am bargeldlosen Zahungsverkehr würden in den kommenden Jahren manche wirklich verdienen. Das Prinzip bleibt aber bestehen, denn statt Banknoten und Münzen mit Zahlen durch Goldreserven (oder eher Staatsschulden) zu decken, erfolgt diese Deckung für Zahlen in der mobilen App (oder eben auf dem Online-Banking-Konto), was ja bereits jetzt viele kennen.

Im Jahr kostet Bargeld pro Kopf etwa 150 EUR. Außerdem ist etwas Wahres dran an dem Spruch, dass "Geld schmutzig" ist, da sich unzählige Bakterien darauf versammeln. 

Auch die Kriminalität ließe sich durch die Abschaffung von Bargeld vermindern, denn auf dem Schwarzmarkt ist es die beliebteste Zahlungsmethode.

Letztendlich ist Bargeld auch einfach nur lästig, da man dafür zu einem Geldautomaten laufen muss, um es abzuheben - manchmal sogar mit erheblichen Gebühren!

Gibt es Bedenken, Bargeld komplett abzuschaffen?

Die sogenannte Nahfeldtechnologie (Near Field Communication, NFC-Technologie) ist immer noch im Entwicklunsstand. Daher rührt z. B. im kontaktlosen Bezahlen eine gewisse Gefahr. 

Außerdem gibt es eine einfache Sachlage, dass wenn Mobiltelefone oder Kreditkarten einziges Bezahlmittel sind, man bei deren Verlust ähnlich dumm dasteht, wie wenn man seinen Hausschlüssel verlor. Doch so ein Hausschlüssel-Problem lässt sich eigentlich eher unkompliziert lösen.

Wer aber seine Kreditkarte verliert, der läuft Gefahr auch eine Menge Geld zu verlieren. Denn wenn sich damit kontaktlos einkaufen lässt, wird ein Übeltäter damit die reinste Freude haben.

Außerdem gibt es wirkliche Bedenken, was den Datenschutz anbelangt. DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) hin oder her: wer mit seinem Smartphone oder iPhone bezahlt, ist vielleicht einer von jenen unzähligen Benutzern, die immer und überall ihren Aufenthaltsort scannen lassen. Das ist bei weitem gefährlicher, als das Google weiß, wo man sich zuletzt seine intimsten Waren beschaffte.

 

Bei alle dem steht nicht fest, ob sich das Smartphone tatsächlich als einzige Bezahlform in Zukunft etablieren wird. Wohl dann aber, wenn sich das Smartphone an sich verändert - und nicht mehr in der Form darüber verfügt wird, wie wir es heute benutzen, sondern sogar Teil unseres Körpers ist. Für mich persönlich ist diese Vorstellung jedoch ein absolutes Horrorszenario und ich hoffe dass diese Auffassung immer mehr Menschen mit mir teilen.

 

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